Claudia Koppert   / Beate Selders (Hg.)
Hand aufs dekonstruierte Herz  Verständigungsversuche in Zeiten der politisch-theoretischen Selbstabschaffung von Frauen

Die Herausgeberinnen werfen die Frage auf, inwieweit die Thesen der Dekonstruktion produktiv und beflügelnd oder auch lähmend und irreführend sind.

Am Anfang war alles klar: Da gab es Frauen, und Frauen gemeinsam waren stark. Es gab ein "Wir" und auch ein "Ich", ein weibliches, gegebenenfalls ein lesbisches, in jedem Fall eines mit dickem Ausrufezeichen. Dann aber kam die Zeit der großen Unterschiede und Verunsicherungen. Die Realitäten fielen auseinander, die Identitäten und Selbstverständnisse lösten sich auf und damit die Wirs.
Frauenforschung und Gender Studies taten ein Übriges. Heute steht am postfeministischen Firmament milchigtrüb die Frage: "Was, bitte, ist eine Frau?" Was also hat die Dekonstruktion der Geschlechtsidentitäten, der Zweigeschlechtlichkeit gebracht? Was hat die Frauenbewegung im Zeitalter des Postfeminismus erreicht? "Alles", sagen die einen: "Sie ist am Ziel." Es sei bloß noch eine Frage der Zeit, dass das weibliche Geschlecht keinerlei Benachteiligung mehr erfährt. Das Patriarchat ist zu Ende. - "Alles nur dasselbe in Grün!", entgegnen die anderen, "wir müssen radikaler werden: Kampf der Zweigeschlechtlichkeit!" Die Perspektive bestimmt, wie die Veränderungen bewertet werden, die Bewertungen scheinen kaum mehr gegenseitig vermittelbar zu sein, aus so unterschiedlichen Perspektiven, mit so unterschiedlichen Schlüssen werden sie vorgenommen. Die Lebensgefühle, die neuen Gender-Existenzen sind so verschieden wie die Meinungen: komplexe Verhältnisse, wider-spruchsvolle Lagen, tragische Heldinnen allerorten. Höchste Zeit, neu nachzudenken, befanden die Autorin-nen. Die Methode "Hand aufs Herz", die dabei zur Anwendung kam, meint die beständige Aufforderung an sich selbst, neue wie alte politische Korrektheiten und herrschende Meinungen beiseite zu schieben und unverzagt zu sagen, wie sich die Lage in der eigenen Sicht darstellt.


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Ulrike Helmer Verlag  -  2003  -  159 S.  -  EUR 12,95 / sFr. 22,80  -  ISBN 3-89741-120-2
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